Die Bienen und der Mindestlohn

Ursprünglich veröffentlicht am 30.09.17

Honigpreise sind immer wieder ein Grund für Diskussionen an analogen sowie virtuellen Imkerstammtischen. Ein geflügelter Spruch besagt, dass ein Glas Honig zigtausende Euro kosten müsste, würden Bienen den Mindestlohn bekommen. Die Bandbreite geht von 18.000€ bis 240.000€. Ein Gedankenexperiment in dieser Richtung hilft vielleicht den Wert des Honigs zu verstehen:

Um ein Glas Honig zu füllen braucht es etwa die Leistung von 200 Sammlerinnen. Sammlerinnen sind in der Regel die Bienen, die 20 Tage alt sind, nachdem sie ihren Dienst im Stock geleistet haben. Eine (Sommer-)Biene hat eine normale Lebenserwartung von 35 bis 40 Tagen. Nun schlafen Bienen auch, wobei Sammlerinnen deutlich weniger Ruhe benötigen als Jungbienen. Da der Nektar aber erst zu Honig verarbeitet werden muss, werden der Einfachheit halber 24h pro Tag angesetzt und die „Mindestlebenserwartung“ von 15 Tagen als Sammlerin genommen.

15 Tage x 24 Stunden = 360 Arbeitsstunden x 200 Sammlerinnen pro 500g Honig = 72.000 Arbeitsstunden x 8,84€ (Mindestlohn 2017) = 636.480€ pro Honigglas

Dem kann man natürlich entgegenhalten, dass die 24h Arbeit am Tag etwas hoch bemessen sind. An der Honigproduktion sind aber weitaus mehr Bienen beteiligt als nur die Sammlerinnen. Außerdem sind der Nachtschichtzuschlag und die Gefahrenzulage nicht eingerechnet. Die Sammlerinnen haben mitunter den gefährlichsten Job des Bienenvolkes und erreichen sehr selten das Maximum ihres Lebens.

Natürlich verlangt kein Imker mit klarem Verstand diese astronomische Summe, noch nicht einmal für den neuseeländischen Manukahonig. Dennoch kann diese Überlegung sowohl Imkern als auch Honigliebhabern vor Augen führen, dass das flüssig-gelbe Gold mehr wert ist als 3,50€ pro Glas.

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