250 Jahre Oberlausitzer Bienengesellschaft

Ursprünglich veröffentlicht am 31.01.17

Der trifft den rechten Zweck, der Lust und Nutz verbindet:
Auf diesen Satz ist auch der Bienenbau gegründet.[1]

Das neue Jahr bringt ein Jubiläum für unseren Verein, während das alte Jahr unbemerkt ein noch größeres Jubiläum verpasst hat. Im Jahre 1766 gründete sich die physikalisch-ökonomische Bienengesellschaft in der Oberlausitz. Sie war die erste Vereinigung modernen Typs, die sich ausschließlich mit dem Thema Bienenbiologie (physikalisch) und Bienenhaltung (ökonomisch) beschäftigte. Sie bestand bis mindestens 1824 und akquirierte mit der Zeit über 300 Mitglieder.

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Sie entstand im Rahmen einer Gründungswelle von ökonomisch-physikalischen Gesellschaften in den 1760er Jahren, die sich vornehmlich mit Themen zur Verbesserung der Landwirtschaft und deren praktischer Umsetzung befassten. Die Praxis war auch einer der Kernpunkte, der diese Gesellschaften von der vorangegangenen Akademiebewegung unterschied, obgleich große Ähnlichkeiten bestanden. Die Spezialisierung auf die Bienenhaltung war daher ein nicht zu unterschätzendes Alleinstellungsmerkmal, welches die Bemühungen der Sozietät gleichfalls mit kurzfristig eintretenden Erfolgen honorierte, die sich bei vielen anderen ökonomisch-physikalischen Gesellschaften – wenn überhaupt – eher langfristig zeigten.

Ziel war es neues Wissen über die Bienenhaltung zu sammeln und zu schaffen, um dieses dann einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Zielgruppe war auch die damalige Landbevölkerung, weshalb die Bemühungen in den Rahmen der Volksaufklärung Ende des 18. Jahrhunderts fallen. In den Abhandlungen und Erfahrungen wurden neue Erkenntnisse vorgestellt und diskutiert. Der Gründer und Sekretär der Bienengesellschaft, Adam Gottlob Schirach, unterhielt im Namen der Gesellschaft ein europaweites Korrespondenznetz, das sich u.a. nach Dänemark, England, Frankreich, Italien, Russland, die Schweiz und Portugal erstreckte.

Diskutiert wurden beispielsweise das Geschlecht der Drohnen sowie das der Arbeiterinnen, die noch die großen Bienenforscher des 17. und 18. Jahrhunderts, Swammerdam und Réaumur, für geschlechtslos hielten. Auch das zu dieser Zeit entdeckte Ablegermachen wurde in diesem Rahmen diskutiert. Durch die Netzwerke der Gesellschaft wurden gleichwohl die Bienenlehrbücher der Mitglieder populär. Als bedeutendstes Mitglied ist ohne Zweifel der Sekretär und Gründer der Gesellschaft zu nennen.

Adam Gottlob Schirach ist in der Welt der Imker fast vollständig in Vergessenheit geraten, obwohl sein Beitrag zur Bienenhaltung einer der Wichtigsten der letzten Jahrhunderte ist. Er entdeckte, dass ein weiselloses Volk, welches noch frische Brut besitzt, sich eine Königin nachzieht und nutzte dieses Wissen zur künstlichen Vermehrung von Bienenstöcken. Damit wurden die Bienenväter der Zeit zum einen unabhängig vom Schwarmtrieb der Bienen und andererseits setzte diese Entdeckung den Grundstein zur Züchtung von Bienenvölkern mit besonderen Merkmalen (obschon dieser Möglichkeit damals praktisch keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde). Sein Werk über das Ablegermachen wurde zunächst ins Französische und von dort ins Italienische übersetzt. Da Französisch als Sprache der Wissenschaft weit verbreitet war, fanden die Erkenntnisse Schirachs schließlich Eingang in die Betriebsweisen anderer europäischer Länder.

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Schirach schrieb weitere Werke und versuchte durch eine Kooperation der Bienengesellschaft mit der Leipziger ökonomischen Gesellschaft seine Erkenntnisse für einfache Bauern zugängliche zu machen, indem er ein kurzes Traktat verfasste, welches kostenlos unter den ärmeren Schichten verteilt wurde.[2] Generell war er ein Feind jeglicher Geheimniskrämerei und bemängelte diese negative Eigenschaft unter den Bienenvätern der Zeit. Die Bienengesellschaft sollte sich daher den freien Austausch des Wissens zum Grundsatz machen. Ein weiterer Verdienst Schirachs war es das Wissen der oberlausitzisch-sorbischen Zeidler zu sammeln und dieses zu veröffentlichen.[3] Die darin enthaltene Schautafel über die Tätigkeit der Zeidler ist heute noch vielen Imkern bekannt.

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Die Bedeutung der oberlausitzischen Bienengesellschaft sollte keinesfalls über- aber gleichwohl nicht unterschätzt werden. Sie diente als Forum vieler versierter Bienenhalter der Zeit, die Ideen und Erkenntnisse austauschten, und verbreitete so europaweit das generierte Wissen. Ihre Tätigkeit setzte eine Gründungswelle von weiteren Bienengesellschaften in Gang, wie sie sich bspw. in Franken, der Kurpfalz oder Bayern gründeten. Die Gesellschaft unterhielt zudem einen Bienengarten, der aus heutiger Sicht als Lehrbienenstand verstanden werden könnte. Dorthin schickten viele Fürsten der Zeit ihre Untertanen hin, um sie in den neuesten Erkenntnissen der Bienenhaltung unterrichtet zu wissen.

Europaweit scheint dies eine einzigartige Gesellschaftsform gewesen zu sein, mit Ausnahme der von 1799 bis 1809 existierenden Western Apiarian Society in England, die jedoch nicht die Breitenwirkung wie ihr sächsisches Pendant entfalten konnte. Zum jetzigen Zeitpunkt kann vermutet werden, dass die Gründung der oberlausitzischen Bienengesellschaft eine Welle imkerlichen Enthusiasmus auslöste, was sich unter anderem in der Publikation von Lehrbüchern ausdrückte. Von 1500 bis 1759 wurden lediglich 16 Werke in deutscher Sprache publiziert, während es in England 18 waren. Von 1760 bis 1845 (Erscheinen der Nördlinger Bienenzeitung) hingegen wurden etwa 146 deutschsprachige und 42 englischsprachige Lehrbücher veröffentlicht. Von den 146 deutschsprachigen Publikationen wurden etwa ein Drittel von Mitgliedern der Bienengesellschaften veröffentlicht. Es kann demnach vermutet werden, dass die oberlausitzische Bienengesellschaft als Katalysator für apidologisches Wissen diente und somit zumindest für die deutschsprachigen Gebiete die „Sattelzeit der Bienenhaltung“ einleitete.

ML

Dieser Text entstand im Rahmen einer Abschlussarbeit zu den deutschen Bienengesellschaften und englischen Apiarian Societies am Lehrstuhl für Neuere Geschichte und Landesgeschichte der Universität des Saarlandes.

[1] Abhandlungen und Erfahrungen 1766, S. 11.

[2] Schirach, Adam Gottlob, Der Sächsische Bienenmeister, oder Kurze Anweisung für den Landmann zur Bienenzucht. Nebst beygefügtem Oekonomischen Bienencalender. Leipzig 1769.

[3] Schirach, Adam Gottlob/Vogel, Johann George, Adam Gottlob Schirachs Wald-Bienenzucht, nach ihren großen Vortheilen, leichten Anlegung und Abwartung, mit Kupfern herausgegeben und mit einer Vorrede, nebst des Herrn Verfassers Lebensbeschreibung begleitet von Johann George Vogel. Breßlau 1774.

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina)

Veröffentlicht am 22.12.16

Eine neue invasive Spezies ist auf dem Vormarsch, die heimische Insekten und nicht zuletzt Bienenvölkern schwer zusetzen könnte: die asiatische Hornisse (Vespa Velutina).

Unterscheidungsmerkmale zur heimischen Hornisse:

Datei:Vespa velutina nigrithorax MHNT dos.jpg

Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Bild: Wikipedia

  • 3cm Körperlänge
  • vornehmlich schwarze Färbung
  • gelbe Beine
Datei:Vespa crabro 80708.jpg

Heimische Hornisse (Vespa carbro). Bild: Wikipedia

  • 4cm Körperlänge
  • eindeutig gelb-rötliche Färbung
  • rötliche Beine

Sollten Sie die asiatische Hornisse im Saarland sichten, konaktieren Sie bitte das Landesamt für Verbraucherschutz:

Landesamt für Verbraucherschutz
GB 3 – Zentralstelle
Konrad-Zuse-Straße 11-15
66115 Saarbrücken
Tel:  0681/9978-4513
Fax: 0681/9978-4549

ML

110jähriges Jubiläum – Der Düppenweiler Bienenlehrpfad

Ursprünglich veröffentlicht am 11.11.16

Still ist es geworden in den letzten Wochen und Monaten auf unserer Vereinsseite. Das hat seine Gründe, denn aktuell sind wir mit einem ganz besonderen Projekt beschäftigt. Der Bienenzuchtverein 1907 Düppenweiler e.V. stellt einen Bienenlehrpfad in der Gemeinde auf, an dem sich Wanderer und Interessierte über das Leben der Honigbienen informieren können. Die Pläne zu diesem Projekt wurden bereits Ende letzten Jahres angestoßen und sind jetzt so weit gediehen, dass wir den Bienenlehpfad ankündigen möchten.

In 8 Stationen, die teils auf die Standorte abgestimmt wurden, wandert man gleichzeitig einen Teil des Litermont-Sagenweges entlang. Beginnen wird der Lehrpfad am keltischen Hügelgrab am Fuße des Litermonts, enden wird er an unserem Lehrbienenstand in der Nähe des Grauen Steins. Als kleine Vorschau sei schon einmal der Entwurf der ersten Schautafel gezeigt.

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ML

Wildvölker – Es gibt sie noch

Ursprünglich veröffentlicht am 10.07.16

Bienenvölker sind in der freien Natur kaum noch zu finden. Parasiten und schwindender Lebensraum machen ein Überleben von Wildvölkern nahezu unmöglich. Ab und an, wenn einem Imker trotz aller Wachsamkeit doch einmal ein Schwarm unbemerkt abgehen sollte, kommt es vor, dass ein Bienenschwarm das Glück hat eine passende Behausung fernab von Rolladenkästen oder ähnlichen ungeeigneten Wohnräumen zu finden.

So auch hier zu sehen, ein Bienenvolk wohnend in einer Robinie. Ob dieser Ort tatsächlich so passend ist, darf bezweifelt werden. Der Eingang sitzt in Kniehöhe direkt neben einem vielbegangenen Spazierweg am Waldeingang. Die Überlebenschancen für ein solches Wildvolk sind obendrein leider sehr gering. Da kein Imker da ist, um die Varroa zu bekämpfen, wird das Volk je nach Stärke sehr wahrscheinlich in ein bis zwei Jahren zu Grunde gehen.

Könnte das Volk nicht eine Resistenz gegen die Milben entwickeln? Sicherlich, aber ein Volk allein auf weiter Flur wird dies nicht bewerkstelligen können. Das unter Imkern fast schon legendäre Bond-Projekt auf Gotland sollte 150 Bienenvölker sich selbst überlassen, um eine Varroa-Resistenz zu erzwingen. Das Resultat war ein Verlust von 80% der Völker nach etwa sechs Jahren. Die überlebenden Völker zeigten jedoch eine Tolleranz gegenüber der Varroa-Milbe. Um also eine Varroa-Tolleranz bei wildlebenden Bienen zu erzielen müssten weitaus mehr Wildvölker in einem Gebiet leben, denen dazu der entsprechende Lebensraum zur Verfügung stünde. Die Völker, die der renommierte Bienenforscher Thomas D. Seeley im Arnot Forest (USA, Staat New York) untersucht, sind ebenfalls Varroa-Resistent, leben aber auf entsprechendem Raum in natürlichen Baumhöhlen.

Was aus diesem Volk wird steht noch in den Sternen. Neuigkeiten werden hier veröffentlicht werden.

 ML

Zur Verteidigung des Schwarms – Meinung

Ursprünglich veröffentlicht am 10.05.16

Der neueste Infobrief der Bieneninstitute (06.05.16) hat mich ein wenig schockiert. Dort ist zu lesen:

Der neueste Infobrief der Bieneninstitute (06.05.16) hat mich ein wenig schockiert. Dort ist zu lesen:

Ja nicht schwärmen lassen.

Die Schwarmimkerei ist nicht mehr zeitgemäß. Und das aus gutem Grund:
Die Königin und mehrere tausend Bienen verlassen das Volk und sorgen dafür, dass das Altvolk wochenlang für die Honigproduktion ausfällt.
Den Schwarm zu fangen ist zeitintensiv und nicht immer ungefährlich. Manch waghalsiger Imker hat sich beim Schwarm fangen den Hals schon gebrochen.
Auch wenn es dem Wesen der Bienen entspricht, ist eines klar: fast jeder nicht gefangene Schwarm wird noch vor dem Winter verenden (wesensgemäß aber respektlos). [1]

Die Argumente, die aus imkerlicher (!) Sicht gegen das Schwärmen sprechen sind nachvollziehbar und durchaus berechtigt. Vom Restvolk wird weniger Honig produziert, was für Freizeitimker, die auf einen hohen Honigertrag aus sind, durchaus ein schwerwiegendes Argument ist. Berufsimker müssen natürlich im Besonderen auf den Honigertrag achten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Immer mehr Freizeitimker geben sich allerdings mit einer einzigen Jahresernte Ende Juli zufrieden.

Zeitintensiv ist es gegebenenfalls ebenso, muss ich das Volk doch jede Woche auf bestiftete Weiselzellen überprüfen und es bis zum Schwarmabgang begleiten. Das kann je nach Völkerzahl schneller oder langsamer von Statten gehen. Wenn man allerdings bedenkt, dass man mit der Betreuung eines Bienenvolkes auch Verantwortung übernimmt, ist das nur ein schwaches Argument. Einen Hund muss ich regelmäßig Gassi führen und die liebe Katze will ebenso versorgt werden. Wenn ich weniger Zeit in die Imkerei investieren will oder kann, muss ich eben zwei statt zehn Völker halten.

Die Arbeitssicherheit und eigene Gesundheit sollte immer im Vordergrund stehen. Ein Schwarm in einem 10m hohen Baum ist schwieriger zu bekommen als einer, der gemütlich in Kopfhöhe von einem Ast herunter baumelt. Anleitungen zum Schwarmfang beschreiben die Tipps zur Arbeitssicherheit zu Genüge, sodass ich sie hier nicht noch einmal niederschreiben muss. Hinweise, wie man Schwarmfänger baut und nutzt, gibt es ebenso zuhauf.

Dass wilde Bienenvölker nicht überleben können hängt an mehreren Faktoren. Zu nennen sind da natürlich die Varroa[2] und Pestizide. Solche Völker können nicht betreut und behandelt werden. Schwerwiegender ist jedoch der mangelnde Wohnraum in unserer Kulturlandschaft. Bienen bevorzugen Baumhöhlen oder Felsspalten.[3] Aufgrund der intensiven Forstwirtschaft sind solche nur noch in den wenigen naturbelassenen Urwäldern zu finden.

Schwarmimkerei ist zeitgemäß!

Man muss die Entwicklungen der letzten 10 Jahre und insbesondere die jüngerer Zeit schon gehörig verschlafen haben, um sich zu der Aussage hinreißen zu lassen, Schwarmimkerei sei unzeitgemäß. Daher meine These: Die Schwarmimkerei ist zeitgemäßer als je zuvor!

Nicht nur, dass immer mehr Neuimker mit alternativen Betriebsweisen zum Magazin beginnen. Ebenso gibt es neuere Erkenntnisse in der Forschung, die darauf schließen lassen dass der Schwarmtrieb der Gesundheit eines Bienenvolkes mehr als zuträglich ist. Der amerikanische Bienenforscher Thomas D. Seeley plädiert dafür, mehr Schwärme zuzulassen. Sie garantieren die genetische Vielfalt der Bienen, damit die Anpassungsfähigkeit und helfen den Varroadruck zu minimieren. Durch die Brutpausen im Altvolk und im Schwarm werden die Milben nicht nur in der Entwicklung ausgebremst, sondern auch steril und fortpflanzungsunfähig.[4]

Könnte man diese Erkenntnisse noch leicht übersehen, wird es schon schwieriger solcherlei Erkenntnisse zu ignorieren, wenn man sich die diesjährige Aprilausgabe der Zeitschrift Die Biene zur Hand nimmt. Gerade in Imkerkreisen sollte das Magazin eine enorme Reichweite genießen. Dort beschreibt Dr. Wolfgang Ritter die Selbstheilungskräfte des Schwarmtriebs, der nicht nur die Varroa dezimiert, sondern ebenfalls andere Krankheitserreger wie AFB-Sporen erfolgreich bekämpfen kann. Auch hier finden sich wieder nützliche Tipps zu Schwarmfang und Arbeitssicherheit.[5]

Man kann also festhalten, dass es aus imkerlicher Sicht sicherlich Nachteile gibt, wenn man seine Bienen schwärmen lässt. Für die Biene bedeutet dies jedoch vor allem gesundheitliche Vorteile und sollte es nicht heißen: Gesund Bienen, glückliche Imker?

Für die Zukunft alles Gute

Dem Autor des neuen Infobriefs wünsche ich für die Zukunft alles Gute und hoffe, dass die neueren Rundschreiben wieder sachlicher und weniger subjektiv werden. Dass die dargelegten Positionen aus dem Hintergrund des Autors als Vollerwerbsimker stammen, mag durchaus nachvollziehbar sein. Bedenkt man allerdings, dass diese gerade einmal 1% der gesamten Imkerschaft Detuschlands ausmachen[6], können sie nicht die Adressaten eines solchen Infobriefs sein.

Eine objektivere Handreichung, ohne mehr oder weniger versteckte Breitseiten gegen Betriebsweisen und Institutionen, stünde dem Infobrief gleichfalls als Sprachrohr von Einrichtungen zu Gesicht, die den Anspruch der Wissenschaftlichkeit zurecht erheben.

Ich hoffe sehr, dass dieser Brief nur ein Ausrutscher war.

ML

[1] Infobrief Bienen@Imkerei 08/2016 (Online unter: http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/65F778E109DAFFE2C1257FAB002AF143/$FILE/Infobrief_2016_08.pdf Stand: 06.05.16)

[2] Ob die Varroamilben ein wildes Volk eingehen lassen würden oder die Bienen sich anpassen würden, kann nicht klar gesagt werden. Der Bienenforscher Thomas D. Seeley untersucht im US-Staat New York wild lebende Bienenvölker, die auch ohne Behandlung überleben. Siehe auch: Thomas D. Seeley: Bienendemokratie. Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können. Frankfurt a.M 42014.

[3] Jürgen Tautz: Phänomen Honigbiene. Berlin, Heidelberg ²2012, S. 196.

[4] http://www.juergvollmer.ch/post/123286321794/thomas-seeley-bienenschwarm-varroa Stand: 08.05.2016.

[5] Wolfgang Ritter: Schwärme gesünder! So lassen sich die Selbstheilungskräfte der Bienen nutzen, in: Die Biene 4/2016, S. 8-9.

[6] http://www.deutscherimkerbund.de/161-Imkerei_in_Deutschland_Zahlen_Daten_Fakten (Stand: 08.05.2016)

Ja nicht schwärmen lassen.

Die Schwarmimkerei ist nicht mehr zeitgemäß. Und das aus gutem Grund:
Die Königin und mehrere tausend Bienen verlassen das Volk und sorgen dafür, dass das Altvolk wochenlang für die Honigproduktion ausfällt.
Den Schwarm zu fangen ist zeitintensiv und nicht immer ungefährlich. Manch waghalsiger Imker hat sich beim Schwarm fangen den Hals schon gebrochen.
Auch wenn es dem Wesen der Bienen entspricht, ist eines klar: fast jeder nicht gefangene Schwarm wird noch vor dem Winter verenden (wesensgemäß aber respektlos). [1]

Die Argumente, die aus imkerlicher (!) Sicht gegen das Schwärmen sprechen sind nachvollziehbar und durchaus berechtigt. Vom Restvolk wird weniger Honig produziert, was für Freizeitimker, die auf einen hohen Honigertrag aus sind, durchaus ein schwerwiegendes Argument ist. Berufsimker müssen natürlich im Besonderen auf den Honigertrag achten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Immer mehr Freizeitimker geben sich allerdings mit einer einzigen Jahresernte Ende Juli zufrieden.

Zeitintensiv ist es gegebenenfalls ebenso, muss ich das Volk doch jede Woche auf bestiftete Weiselzellen überprüfen und es bis zum Schwarmabgang begleiten. Das kann je nach Völkerzahl schneller oder langsamer von Statten gehen. Wenn man allerdings bedenkt, dass man mit der Betreuung eines Bienenvolkes auch Verantwortung übernimmt, ist das nur ein schwaches Argument. Einen Hund muss ich regelmäßig Gassi führen und die liebe Katze will ebenso versorgt werden. Wenn ich weniger Zeit in die Imkerei investieren will oder kann, muss ich eben zwei statt zehn Völker halten.

Die Arbeitssicherheit und eigene Gesundheit sollte immer im Vordergrund stehen. Ein Schwarm in einem 10m hohen Baum ist schwieriger zu bekommen als einer, der gemütlich in Kopfhöhe von einem Ast herunter baumelt. Anleitungen zum Schwarmfang beschreiben die Tipps zur Arbeitssicherheit zu Genüge, sodass ich sie hier nicht noch einmal niederschreiben muss. Hinweise, wie man Schwarmfänger baut und nutzt, gibt es ebenso zuhauf.

Dass wilde Bienenvölker nicht überleben können hängt an mehreren Faktoren. Zu nennen sind da natürlich die Varroa[2] und Pestizide. Solche Völker können nicht betreut und behandelt werden. Schwerwiegender ist jedoch der mangelnde Wohnraum in unserer Kulturlandschaft. Bienen bevorzugen Baumhöhlen oder Felsspalten.[3] Aufgrund der intensiven Forstwirtschaft sind solche nur noch in den wenigen naturbelassenen Urwäldern zu finden.

Schwarmimkerei ist zeitgemäß!

Man muss die Entwicklungen der letzten 10 Jahre und insbesondere die jüngerer Zeit schon gehörig verschlafen haben, um sich zu der Aussage hinreißen zu lassen, Schwarmimkerei sei unzeitgemäß. Daher meine These: Die Schwarmimkerei ist zeitgemäßer als je zuvor!

Nicht nur, dass immer mehr Neuimker mit alternativen Betriebsweisen zum Magazin beginnen. Ebenso gibt es neuere Erkenntnisse in der Forschung, die darauf schließen lassen dass der Schwarmtrieb der Gesundheit eines Bienenvolkes mehr als zuträglich ist. Der amerikanische Bienenforscher Thomas D. Seeley plädiert dafür, mehr Schwärme zuzulassen. Sie garantieren die genetische Vielfalt der Bienen, damit die Anpassungsfähigkeit und helfen den Varroadruck zu minimieren. Durch die Brutpausen im Altvolk und im Schwarm werden die Milben nicht nur in der Entwicklung ausgebremst, sondern auch steril und fortpflanzungsunfähig.[4]

Könnte man diese Erkenntnisse noch leicht übersehen, wird es schon schwieriger solcherlei Erkenntnisse zu ignorieren, wenn man sich die diesjährige Aprilausgabe der Zeitschrift Die Biene zur Hand nimmt. Gerade in Imkerkreisen sollte das Magazin eine enorme Reichweite genießen. Dort beschreibt Dr. Wolfgang Ritter die Selbstheilungskräfte des Schwarmtriebs, der nicht nur die Varroa dezimiert, sondern ebenfalls andere Krankheitserreger wie AFB-Sporen erfolgreich bekämpfen kann. Auch hier finden sich wieder nützliche Tipps zu Schwarmfang und Arbeitssicherheit.[5]

Man kann also festhalten, dass es aus imkerlicher Sicht sicherlich Nachteile gibt, wenn man seine Bienen schwärmen lässt. Für die Biene bedeutet dies jedoch vor allem gesundheitliche Vorteile und sollte es nicht heißen: Gesund Bienen, glückliche Imker?

Für die Zukunft alles Gute

Dem Autor des neuen Infobriefs wünsche ich für die Zukunft alles Gute und hoffe, dass die neueren Rundschreiben wieder sachlicher und weniger subjektiv werden. Dass die dargelegten Positionen aus dem Hintergrund des Autors als Vollerwerbsimker stammen, mag durchaus nachvollziehbar sein. Bedenkt man allerdings, dass diese gerade einmal 1% der gesamten Imkerschaft Detuschlands ausmachen[6], können sie nicht die Adressaten eines solchen Infobriefs sein.

Eine objektivere Handreichung, ohne mehr oder weniger versteckte Breitseiten gegen Betriebsweisen und Institutionen, stünde dem Infobrief gleichfalls als Sprachrohr von Einrichtungen zu Gesicht, die den Anspruch der Wissenschaftlichkeit zurecht erheben.

Ich hoffe sehr, dass dieser Brief nur ein Ausrutscher war.

ML

Stirbt die Biene, stirbt der Mensch?

Ursprünglich veröffentlicht am 30.04.16

Stirbt die Biene, stirbt der Mensch. So oder so ähnlich soll es der berühmte Physiker Albert Einstein gesagt haben. Abgesehen davon, dass man dieses Zitat in keinster Weise dem vermeintlichen Urheber zusprechen kann, gibt es noch ein paar andere Probleme mit dieser Aussage. Stirbt der Mensch tatsächlich sollten die Bienen verschwinden? Hier einige Argumente, die aufgeheizte Diskussionen relativieren können:

Bestäubung von Nahrungsmitteln

2010 wurde der Wert der durch Bienen erbrachten Leistungen auf weltweit 153 Milliarden Dollar geschätzt. Davon liegt der Löwenanteil bei der Bestäubungsleistung.1 Ohne Bestäubung würden Obstbauern kaum mehr Erträge erzielen und auch der heimische Apfelbaum im Garten wäre nur noch Zierpflanze. Gleichfalls windbestäubende Kulturpflanzen wie der Raps haben durch Honigbienen einen weitaus höheren Ertrag. Betrachtet man die Situation von dieser Seite aus, könnte man also zu dem Schluss kommen: Stirbt die Biene, stirbt der Mensch.

An dieser Stelle kommt allerdings das große Aber ins Spiel: Aber viele Pflanzen, die für unsere Ernährung wichtig sind, benötigen keine Bestäuber. Die meisten Getreidearten oder die nahrhafte Kartoffel kommen prima ohne Fremdbestäuber aus. Würden wir verhungern? Auf den ersten Blick vermutlich nicht.

Nun wieder das Aber: Es wird mit Sicherheit nicht leichter. Das Nahrungsangebot würde drastisch einbrechen. Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und das gesamte Ökosystem wären gar nicht abzusehen, sollten auch Wildpflanzen nicht mehr bestäubt werden. Die Lebensmittelpreise würden rasch steigen und die Artenvielfalt schwinden.

Die Honigbiene ist nicht der einzige Bestäuber

Es gibt eine große Anzahl von weiteren Bestäuberinsekten, die dafür Sorge tragen uns eine reiche Obsternte zu bescheren. Die Zahl ist allerdings schwindend und viele Arten sind gefährdet. Schuld daran sind die mangelnden Lebensräume, das fehlende Nahrungsangebot und nicht zuletzt Pest-/ sowie Herbizide.2 Darüber hinaus sind gerade Hummeln von einer Vielzahl von eingeschleppten Krankheiten und auch Parasiten befallen.

Leider liest man immer mal wieder den Vorwurf, dass Imker sich nicht um den Wildbienenbestand scheren und nur die Ertragbringende Honigbiene in den Vordergrund drängen wollen, wenn vom Bienensterben die Rede ist. Dazu muss man sagen, dass es „DEN Imker“ ohnehin nicht gibt und der Grund für die Prominenz der Honigbiene meist in der Werbung von Umweltorganisationen begründet liegt. Um eine größere Aufmerksamkeit zu erzielen ist es zunächst einmal wesentlich einfacher sich ein „Maskottchen“ zu suchen, das ohnehin schon eine größere Lobby hat und zudem noch durch andere Medien bekannt und beliebt ist. Biene Maja lässt grüßen! Die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit wird immer geringer, weshalb es notwendig ist Werbung einfach zu gestalten und nicht mit abertausenden Wildbienenarten zu verwirren.3 Man soll sich für das Thema interessieren und dann selbst einlesen.

Zudem ist die Aussage, dass sich Imker nicht auch um das Wohl von Wildbienen kümmern, nicht haltbar. Gerade bei Bienenlehrpfaden wird immer wieder auch auf die Schwestern der Honigbiene hingewiesen, meist sogar noch mit Insektenhotel an prominenter Stelle. Viele Imker haben auch nicht nur ein einziges Insektenhotel im Garten stehen.

Die Honigbiene als „Bioindikator“

Der Honigbiene kommt eine weitere bedeutende Rolle zu: Sie ist ein Bioindikator für den Zustand der Artenvielfalt unter den Bestäubern. Es gibt abertausende Insektenarten, die man allein aus Kostengründen nicht ständig überwachen könnte. Die Honigbiene liefert aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber diversen Umwelteinflüssen ein verlässliches Bild über den Zustand unserer Natur und Artenvielfalt. Geht es der Biene schlecht, geht es anderen Insekten in der Regel auch nicht gut. Wenn nicht sogar noch schlechter! Denn um die Bienen wird sich durch die Imkerschaft noch zusätzlich gekümmert. Dabei werden Krankheiten sowie Parasiten mit effektiven Mitteln angegangen. Ein Aufwand der in Wald und Wiese nicht zu leisten ist.

Stirb die Honigbiene jetzt aus oder nicht?

Nein, Honigbienen werden nicht so schnell aussterben. Wie bereits erwähnt kümmert sich die Imkerschaft um die Honigbiene, die gleichfalls die entsprechende Lobbymacht besitzt, um für das Wohl der Bienen im Allgemeinen und der Honigbiene im Speziellen zu kämpfen. Gerade in den deutschsprachigen Ländern steigt die Zahl der Imker in den letzten Jahren, nachdem zunächst immer weniger dieses Steckenpferd ausübten. Die Befürchtungen, dass es sich hierbei um einen Modetrend handeln würde, kann man aktuell als unbegründet erachten.

Wenn man vom Bienensterben spricht, dann meint man meist die Winterverluste oder das gerade aus Amerika bekannte Phänomen mit dem Kürzel CCD (Colony Collapse Disorder). Wenn man über den Teich schaut nimmt das ganze etwas andere Züge an als hierzulande. In Deutschland gibt es etwa um die 10-20% Winterverluste pro Jahr. Die Zahl ist beträchtlich und sollte auf keinen Fall zur Norm erhoben werden. Dennoch werden immer wieder Bienenvölker auf die unterschiedlichsten Weisen nachgezogen. Andererseits darf das Problem nicht kleingeredet werden. Honigbienen sind sehr anpassungsfähig und verkraften sehr viel Stress, aber sehr viele Tropfen bringen das Fass zum Überlaufen. Dabei sind stärker belastende Faktoren wie die Varroamilbe oder schon bald der Kleine Beutenkäfer nicht mehr wegzubekommen. Gerade deshalb muss man allerdings dort Eingreifen, wo man eingreifen kann. Sei es bei der Verbesserung des Nahrungsangebots oder der Bekämpfung von Pestizidzulassungen.

Letztlich muss darauf hingewiesen werden, dass das Bienensterben meist nur die europäische Honigbiene (Apis mellifera.) betrifft. Die bspw. in China und Japan beheimatete östliche Honigbiene (Apis cerana.) bekämpft die Varroamilbe durch ein effektiveres Putzverhalten und selbst die furchterregende japanische Riesenhornisse wird von dieser Biene durch eine Hitzekugel erledigt. Importieren sollte man sie allerdings nicht, um nicht noch mehr in unser Ökosystem einzugreifen. Zumal die östliche Honigbiene einen geringeren Honigertrag hat und dadurch für die Erwerbsimkerschaft nicht in Frage kommt. Kreuzungen sollten ebenso vermieden werden, man denke nur an die vor allem in Südamerika beheimateten Killerbienen.

Wer etwas für den Erhalt der Artenvielfalt unter den Bienen unternehmen möchte, dem sei es anempfohlen etwas für das Nahrungsangebot zu tun. Man muss nicht den ganzen Garten mit Wildblumen versehen. Kleine Ecken oder Balkonkübel reichen schon vollkommen aus. Außerdem kann man ein Insektenhotel aufstellen, die es schon sehr günstig zu erwerben gibt, aber auch sehr einfach selbst herzustellen sind. Denn auch die Wildbienen bestäuben den kleinen Kirschbaum hinterm Haus. Näheres dazu finden Sie unter Bienenfreunde.

ML

1 http://www.welt.de/welt_print/wirtschaft/article9046179/Die-Honigbiene-ist-ein-wirtschaftliches-Schwergewicht.html (Stand: 29.04.2016)

2 http://www.deutschlandfunk.de/bienenschwund-und-pestizide-bienen-brauchen-gesunde-pollen.697.de.html?dram%3Aarticle_id=352830 (Stand: 30.04.2016)

3 http://www.heise.de/tp/artikel/44/44935/1.html (Stand: 30.04.2016)

Ist lokaler Honig nichts mehr wert?

Ursprünglich veröffentlicht am 08.02.16

Ein Honigpanscher trieb sein Unwesen im St. Wendeler Land (SZ vom 02.02.16 und 03.02.16). Ist jetzt selbst der gute Honig unserer lokalen Imker nichts mehr Wert? Man kann die Sorgen einiger Menschen verstehen, wenn jetzt Verunsicherung aufkommt. Als Honigfreund muss man sich allerdings über einige Dinge klar werden.

Zu aller erst muss gesagt werden, dass auch Hobbyimker Kontrollen unterliegen. Auf der einen Seite kann die Lebensmittelaufsicht jederzeit Proben verlangen und zum anderen müssen alle Imker, die ihren Honig im typischen D.I.B. Honigglas verkaufen, die noch strengeren Regeln des D.I.B. befolgen, welche ebenso Kontrollen unterliegen.

Zum zweiten sollte jedem bewusst sein, dass sich überall schwarze Schafe herumtreiben. Davon ist keine Gruppe ausgenommen. Gleichwohl sollte das die Ausnahme bleiben und solange sich solcherlei Meldungen nicht häufen, sollte man immer wieder Ruhe bewahren.

Drittens ist es immer ratsam nicht alles zu glauben was man hört (aller Stammtisch: „Alle Imker panschen doch.“), um dann voreilige Schlüsse zu ziehen. Wie es schon Kant im Zeitalter der Aufklärung formulierte: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen.“ Was soll das heißen? Sich selbst zu informieren ist der Schlüssel zu einem aufgeklärten Leben! Entschließt man sich nicht gerade dazu gar keinen Honig mehr zu essen, bleiben wenig Alternativen, wenn man auf Qualität achten möchte. Machen Sie es selbst: Gehen Sie in den Supermarkt oder in einen Bioladen und schauen Sie einmal wo der Honig herkommt. Mischungen aus EU- oder Nicht-EU-Ländern finden Sie zuhauf und das auch unter Biomarken!

Was können wir als Imkerschaft also unternehmen, dass Sie uns wieder oder vielmehr weiter vertrauen? Um ehrlich zu sein: Gar nichts! Denn ohne Ihr Interesse können wir Sie nicht von unserer Vorliebe zu Bienen und Honig überzeugen. Folglich bleibt uns nur übrig, Sie aufzufordern zum Imker in Ihrer Nachbarschaft zu gehen und mit ihm über Bienen und Honig zu reden. Oder kommen Sie zu einem Imkerstammttisch, der meist einmal im Monat vom lokalen Verein veranstaltet wird. Interessierte sind dabei immer willkommen und Imker sprechen über nichts lieber, als ihre Bienen.

Im Gespräch sollten Sie dann schnell beurteilen können, ob Sie den Imkern Ihr Vertrauen schenken oder nicht. Und wer weiß, vielleicht bekommen Sie so ein neues Steckenpferd frei Haus?

Wintervorbereitungen: Wiegen und Auffüttern

Ursprünglich veröffentlicht am 27.08.15

Nach der letzten Honigernte und der darauffolgenden Varroabehandlung muss sich die Bienenmutter/der Bienenvater, um die Wintervorbereitungen seiner Schützlinge kümmern. Konkret heißt dies, dass man die Völker auffüttern muss. Ein Bienenvolk benötigt, je nach Größe, um die 13 bis 18kg Wintervorrat. Aber warum muss sich der Imker darum kümmern?

Ab August schwindet das Trachtangebot immer weiter, bis kaum mehr etwas von den Bienen zu finden ist. (Wie man das Trachtangebot verbessern kann, lesen Sie unter Bienenfreunde.) Die Bienen tragen oftmals mehr Pollen als Nektar ein. Pollen ist wichtig, um die jetzt schlüpfenden Winterbienen großzuziehen, die langlebiger sind als ihre sommerlichen Schwestern. Der Nektar, welcher zu Honig verarbeitet wird, dient als Heizmaterial für die Bienen. Im Winter müssen zwar keine Brutnesttemperaturen um die 36°C aufrechterhalten werden, da die Königin keine Eier mehr legt, aber dennoch muss die Temperatur ein Überleben der Bienen gewährleisten.

Nun kann man sich natürlich fragen, warum dann der Imker – dieser Schuft – den Bienen auch noch den Honig im Juli klaut, wenn diese ihn doch zum Überleben des Winters benötigen? Die Menge, die ein Volk benötigt, hängt natürlich von dessen Größe und der Größe der Behausung ab. Man kennt das von den Nebenkosten: größere Wohnungen = höhere Heizkosten. Durch die Abnahme des Honigraums wird diese Größe gleichzeitig verringert.

Zugegeben: In der Regel ist der Honigraum so gut gefüllt, dass man nichts nachfüttern muss. Bei starken Völkern allerdings ist auch nach der Honigernte noch genügend Wintervorrat vorhanden. Nehmen wir ein paar Beispieldaten aus verschiedenen Beutentypen:

Magazin A:        17,6kg

Magazin B:        18,6kg

Bienenkiste:      18kg

Warré A:            11kg

Warré B:            12,3kg

Aus Magazin A und der Bienenkiste wurde im Juli der Honig abgeerntet. Magazin B schwärmte dieses Jahr zwei Mal und war mit dem Ausbau einer zweiten Zarge beschäftigt. Die beiden Warré-Beuten beherbergen die Schwärme aus Magazin B und wurden aufgrund des nötigen Ausbaus nicht beerntet. Magazin- und Warré-Völker sitzen auf jeweils zwei Zargen.

Was sagen uns diese Daten? Magazin A und B haben genügend Winterfutter. Zur Sicherheit werden allerdings noch 3kg nachgefüttert. Die Bienenkiste enthält 3kg mehr als mindestens empfohlen wird und die beiden Warré-Beuten können noch ein paar Kilo vertragen.[1] Doch wie wiege ich die Beuten am besten?

Das Wiegen der Beuten

Manch ein Imker wiegt seine Völker überhaupt nicht. Oftmals werden einfach 15kg zugefüttert, was logischerweise reichen sollte. Es existieren aber gute Gründe, warum man die Beuten doch wiegen sollte.

Zum einen ist es natürlich eine Kostenfrage. Je nachdem was ich füttere und wie viele Mäuler, sprich Völker, ich stopfen muss, können immense Kosten auf den Imker zukommen. Man sollte bei der Betreuung seiner Bienen niemals an der falschen Stelle sparen, aber ebenso wenig sollte man das Geld zum Fenster rauswerfen.

Zum anderen ist es eine Frage des Platzes. Wenn 15kg zugefüttert werden und bereits ein Vorrat von 18kg besteht muss damit gerechnet werden, dass das Brutnest zugunsten der Wintervorräte zu sehr eingeengt wird (sog. verhonigen). Das Ergebnis ist eine Abnahme der Winterbienen-Geburten und damit eine Gefährdung des Volkes, welches diese Bienen benötigt um im neuen Jahr wieder gut starten zu können.

Also wiegen, aber wie? Recherchiert man dazu, findet man immer wieder zwei praktizierte Methoden. Bei Methode 1 nutzt man eine handelsübliche Personenwaage oder eine Paketwaage und stellt die gesamte Beute darauf. Wer seine Bienen nicht auf einem betonierten und nivellierten Platz stehen hat, hat hier schon ein gewaltiges Problem die Waage so aufzustellen, dass die Ergebnisse nicht verfälscht werden. Methode 2 sieht vor mittels mechanischen Zugwaagen das Kippgewicht an einer Seite der Zarge zu messen. Leider auch oftmals ungenau.

Besser ist es jedoch man spannt zwei Zurrgurte überkreuzt an der Beute fest, stellt eine Klappleiter auf, nimmt ein Rohr zur Hand und befestigt an Zurrgurten und Rohr eine mechanische Federwaage mit ausreichendem Messbereich (am besten bis mind. 100kg). Während das eine Ende des Rohrs auf einer Sprosse der Leiter ruht, wird mit Armen und Schultern das andere Ende so weit hochgehoben, bis die Beute schwebt, was aufgrund der Hebelwirkung einfacher ist als man sich das vorstellen mag. Das Messergebnis kann abgelesen und die Beute wieder runtergelassen werden. Es empfiehlt sich zu zweit zu arbeiten. Ein Helfer muss darauf achten, dass die Beute trotz Kreuzspannung nicht doch noch kippt und dass die Beute wieder an der gleichen Stelle steht wie vor der Messung und nicht um 40° verdreht.

Wiegen Magazin 1
Die Gurte müssen für einen optimalen Halt überkreuz festgezurrt werden.

Die Gurte müssen für einen optimalen Halt überkreuz festgezurrt werden.

Bei der Bienenkiste können die Gurte vorne und hinten befestigt werden.
Bei der Bienenkiste können die Gurte vorne und hinten befestigt werden.

Bei der Bienenkiste können die Gurte vorne und hinten befestigt werden.

Im nächsten Schritt muss das gemessene Ergebnis mit dem Leergewicht der Beute und dem Schätzgewicht der Bienen- und Wachsmasse verrechnet werden. Als Beispiel dient uns Magazin A mit einem Messergebnis von 56kg. Das Leergewicht muss natürlich vor dem Aufstellen der Beute gemessen werden. Am besten werden alle Teile einzeln gemessen und später addiert. Magazin A hat ein Leergewicht von 28,4kg, dazu schätzen wir ein Gewicht von 5kg für Bienen und Wachs pro Zarge, also 38,4kg für ein zweizargiges DN-Magazin.

56kg – 38,6kg = 17,6kg Wintervorrat

Et voilà wie haben ein Ergebnis. Wenn man nun möchte kann das Bienengewicht ein wenig großzügiger Geschätzt werden und ein wenig mehr nachfüttern. Mit dieser Methode erhält man jedoch ein zuverlässiges Gesamtergebnis mit dem man seine Bienen beruhigt in den Winter schicken kann. Im September sollte noch einmal probegemessen werden.

Füttern: Wie und was?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu füttern. Wer streng nach Warré imkert füttert beispielsweise Honig zurück, sofern man genügend geerntet hat. Das ist natürlich das Beste für die Bienen, die den Honig ja nicht aus Spass oder für den Menschen sammeln. Wenn man 20kg in einem Volk erntet und dieses wiederum 3kg aufgefüttert werden muss, ist es nur sinnig den Bienen ihren „nicht-Überschuss-Anteil“ zurückzugeben.

Die zweitbeste Möglichkeit ist es Invertzuckersirup zu füttern. Dieses Futtermittel ist in der Regel etwas teurer als Zucker, wird dafür aber von den Bienen besser angenommen, da es aus Fructose-Zucker besteht.

Futterteig ist eine weitere Möglichkeit, eignet sich je nach Jahreszeit aber mal besser, mal schlechter. Wer schnell auffüttern will nimmt Sirup statt Teig, da Teig erst mit Wasserzugabe der Bienen verarbeitet werden muss.

Weiter gibt es die Möglichkeit selbst Zuckerwasser zuzubereiten. Dabei nimmt man ein Mischungsverhältnis von Zucker zu Wasser von 2:1. Der Saccharose-Zucker ist ein bisschen weniger optimal als der Fruchtzucker, schadet den Bienen aber nicht. Wer ganz sicher gehen möchte, nutzt zur Zubereitung Bio-Zucker oder Rohrzucker. Die Debatte über Bienengesundheit und den Einsatz von Neonicotinoiden in Pflanzenschutzmitteln lassen einige Imker vermuten, dass diese Wirkstoffe bis in den raffinierten Zucker hineinwirken. Beweise gibt es freilich nicht, dazu müsste eine großangelegte und unabhängige Studie durchgeführt werden.

Zum Füttern nutzt man ein sog. Futtergeschirr, das es in vielen Ausführungen gibt. Wer möchte kann ein einfaches Plastikgefäß nehmen, mit Schmirgelpapier anrauen und befüllen. Dabei sollten jedoch Korken auf das Futter gelegt werden, da ansonsten zahlreiche Bienen ertrinken würden. Das Gefäß gibt man dabei einfach in eine leere Zarge o.ä.

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Für Zargen gibt es auch Aufsätze in die man das Futter einfüllt. Die Bienen kommen dabei von unten durch ein Loch und werden durch einen Plastikdeckel daran gehindert zu ertrinken. Ähnlich verhält es sich mit extra angefertigten Futterzargen. Durch einen Trick kann man die Bienen dazu bringen das gesamte Futtergeschirr zu reinigen, ohne dass sie Gefahr laufen zu ertrinken. Hierfür schneidet oder sägt man ein bienengroßes Loch in Deckel oder Gitte; sobald dann der Futterpegel auf einem niedrigen Stand ist, schlüpfen die Bienen durch das Loch und können die verbleibenden Reste wegputzen.

Eine Plexiglasplatte über der Wanne verhindert ein Eindringen der Bienen unter der Folie hindurch.

Eine Plexiglasplatte über der Wanne verhindert ein Eindringen der Bienen unter der Folie hindurch.

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[1] Es sollte Erwähnung finden, dass die Warré-Beute ein wesentlich geringeres Volumen aufweist und dafür bekannt ist weniger Winterfutter zu benötigen. Zwei Warré-Zargen haben etwa das Volumen einer „normalen“ Magazinzarge (DN-Maß 12 Rähmchen).

Aufruf zur gleichzeitigen Varroabehandlung im Saarland

Ursprünglich veröffentlicht am 04.08.19

Alle saarländischen Imker sind dazu angehalten worden gleichzeitig alle Völker gegen die Varroa zu behandeln, um Reinvasion zu vermeiden. Im folgenden der Aufruf von Frau Dr. Meuser:

Varroa-Behandlung JETZT! 2015

Nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ sollten alle Imker nach dem letzen Abernten geschlossen die erste Varroabehandlung in diesen Wochen beginnen und bis zum 09. August abgeschlossen haben. Das gewährleistet, dass möglichst wenig Varroaverflug über verirrte Bienen, noch vorhandene Drohnen oder räubernde Bienen stattfinden kann.

Imker, die Ihre Völker erst in dieser Zeit aus anderen Trachtgebieten nach Hause holen, sollten so zügig wie möglich vereinigen, Pollen ausgleichen, vorfüttern und varroabehandeln. So werden diese Völker nicht zur Gefahr für die ansässigen, schon behandelten Bienenvölker werden.

Der zweite Varroabehandlungsschub sollte dann nach der Einfütterung in den beiden letzten Augustwochen beginnen und mit der ersten Septemberwoche abgeschlossen sein.

Eine Behandlung mit Oxalsäureträufelung (3,5% in Zuckerwasser) im Dezember ist dringend anzuraten!

Das Varroawetter kann man taggenau und postleitzahlgenau auf der Homepage des Bieneninstitutes Mayen ersehen (http://www.bienenkunde.rlp.de  Stichwort Trachtnet, Stichwort Postleitzahl).

Informationen über Varroabehandlungen und deren Durchführung kann man der Broschüre ‚Varroa unter Kontrolle’ entnehmen: http://www.saarlandimker.de/downloads/varroaunterkontrolle.pdf . In dieser Broschüre ist auch genau verzeichnet, welche Mittel Zulassung haben! Oxalsäureträufelung ist seit 2013 zugelassen.

Es sei hier auch daran erinnert, dass wir in Deutschland ein Varroabehandlungsgebot haben! Dieses verpflichtet jeden Bienenhalter dazu, mit veterinäramtlich zugelassenen Mitteln den äußerst schädlichen Honigbienenparasiten Varroa destructor zu bekämpfen. Zu den zu bevorzugenden Mitteln gehört  die 60%ige Ameisensäure in der Langzeitverdunstung in brütenden Völkern und die Milchsäuresprühung in brutfreien Völkern. Für den Winter ist die Oxalsäureträufelung in brutfreien Völkern zugelassen.

23.07.2015 Dr. Susanne Meuser, LSI Bienengesundheit