Bericht: Randolf Menzel an der Universität des Saarlandes

Ursprünglich veröffentlicht am 30.04.17

Während viele das gute Wetter dazu genutzt haben werden eine vorgezogene Maiwanderung zu unternehmen oder an den eigenen Bienenvölkern zu arbeiten, fanden doch nicht unerheblich wenige Interessierte ihren Weg an die Universität des Saarlandes, um dort einem Vortrag des renommierten Bienenwissenschaftlers Randolf Menzel zu lauschen. Da sein Buch Die Intelligenz der Bienen schon in die Richtung einer wissenschaftlichen Biographie geht und es allein aus diesem Grund viel zu umfangreich gewesen wäre, den gesamten Inhalt vorzustellen, beschränkte sich Prof. Menzel auf die Frage Wie die Intelligenz der Bienen durch Pflanzenschutzmittel verändert wird; so auch der Titel seines Vortrags. Er selbst bezeichnete es als Kompliment, dass der Vorlesungssaal trotz des massigen Sonnenscheins so gut gefüllt war und schon daher wollte er keine trockene Vorlesung abhalten. Ohne einige Zahlen oder wissenschaftliche Fachbegriffe konnte auch diese Präsentation naturgemäß nicht auskommen, aber die entsprechenden Zusammenhänge wurden jederzeit erklärt, sodass das fachfremde Publikum die Erläuterungen ohne größere Probleme zu verstehen wusste.

Besonders bemerkenswert waren einige Ausführungen zu Beginn des Vortrags. In Imkerkreisen wird die Schuldfrage an den teils hohen Völkerverlusten über den Winter immer wieder gerne diskutiert. Die einen wollen wissen, dass es die Pestizide sind, die anderen geben der Varroa die Schuld und die dritte Gruppe macht gleich beide verantwortlich und alle sprechen sie Bauern und Imkern gleichermaßen eine Mitverantwortung zu. Prof. Menzel betrachtete das Problem hingegen wiederum auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene, hob die enorme Intelligenzleistung der einzelnen Biene hervor und stellte sogleich die Frage nach der Intelligenz der gesamten Gesellschaft. Wie intelligent betreiben wir die Landwirtschaft? Wohlgemerkt wir und nicht der einzelne Bauer, denn damit auch weiterhin billiges Gemüse sowie billiges Fleisch (Stichwort: Futtermittel) produziert werden kann, muss die Agrarwirtschaft entsprechende Erträge einfahren, was wiederum den massiven Einsatz von Pestiziden voraussetzt. Solange also kein gesamtgesellschaftliches Umdenken stattfindet wird sich der Einsatz von Spritzmitteln nicht vermeiden lassen, bis es zu spät sein könnte.

Die Bienengesundheit, die wie Prof. Menzel sicherlich korrekt wiedergegeben hat, allen Imkern am Herzen liegt, ist von vielerlei Faktoren abhängig. Die Agrarwirtschaft mit Monokulturen und dem Einsatz von Agrochemie spielen dabei genauso mit hinein wie die Betriebsweise der Imkerschaft, die bspw. mit der Zentrierung und Cluster-Aufstellung der Bienenvölker die Gesundheit ebenso wenig fördert. Viel Honig, wie es während der Präsentation gesagt wurde, bekommt man nicht umsonst. Ebenso die verschiedenen Methoden der Varroabekämpfung greifen in das Bienenwohl ein und stellen meist das geringere Übel dar. Man kann dies vielleicht mit einer Chemotherapie vergleichen, die im besten Fall den Krebs bekämpft und besiegt, gleichzeitig aber den restlichen Körper in Mitleidenschaft zieht. Letztlich wurde auch dem Wetter eine Verantwortung mitgegeben, welches das Trachtangebot entscheidend beeinflusst. Der Einfluss des Klimawandels wurde bei dem Vortrag, wenn überhaupt an dieser Stelle nur angedeutet.

Im Folgenden wurden die gemachten Behauptungen und der negative Einfluss gerade der Neonikotinoide, allen voran das Thiacloprid,  auf die Bienengesundheit und hier vor allem der Gedächtnisleistung der einzelnen Bienen sowie die Auswirkungen auf die gesamte Umwelt mit allerlei vorgestellten Studien, Zahlen und Fachbegriffen erläutert, die an dieser Stelle im Detail nicht mehr wiedergegeben werden können. Besonders viel Wert legte Prof. Menzel auf den Unterschied der chronischen und akuten Wirkung von Pestiziden. Während akut wirkende Mittel die einzelne Biene ab einer bestimmten Dosis sofort töten, beschreibt die chronische Wirkung die Folgen einer längeren Zeit der Aussetzung mit den verschiedenen Mitteln. In den Untersuchungen von Prof. Menzel selbst zeigte sich dabei, dass die Bienen in ihrer Leistung teils extrem eingeschränkt werden, vom Verlust der Orientierung bzw. des Gedächtnisses bis hin zum auslassen des Schwänzeltanzes oder sogar einer verminderten Legeleistung der Königin. Betroffene Völker würden geradezu lethargisch. Genauere Untersuchungen mit gesamten Völkern (Stichwort: Umweltspäher) wären allerdings gerade erst im Aufbau begriffen. Abschließend plädierte Prof. Menzel dafür verschiedene Ursachen für die Völkerverluste über den Winter zu untersuchen, um nicht sofort die Varroa als Alleinschuldige dastehen zu lassen. Das tragische an der Zulassung von angeblich nicht Bienenschädlichen Pestiziden und Herbiziden sei, dass nur die akute Wirkung und nicht die chronische untersucht würden. Daher seien auch für den Hobbygärtner immer noch entsprechende Mittel, die als bienenfreundlich beworben werden, es de facto aber nicht sind, angeboten. Hier forderte er einen Wandel in den Prüfprozessen.

Im Anschluss an den Vortrag wurden noch zahlreiche Fragen gestellt, die von der Neonikotinoidbelastung in Zucker oder Invertzucker-Futtermittel über die Auswirkungen dieser nicht leicht abzubauenden Stoffe auf den Menschen bis hin zu Studien reichten, die wiederum keine Auswirkungen der Pestizide auf die Bienen nachwiesen. Alles in allem war es ein gelungener und vor allem spannender Vortrag, der für den verpassten Sonnenschein mehr als entlohnte.

ML

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